Wie kann es sein, dass in einem Land wie unserem Wohnungsnot herrscht? Dass die Mieten unbezahlbar bleiben? Der Stuttgarter Immobilienmakler Rolf Eurich von Eurich Immobilien hat sich da so seine Gedanken gemacht. Von Christian Günther, Stuttgarter Wochenblatt

Was läuft in Deutschland schief? Nach einem Jahrzehnt guter Konjunktur und ständig wachsender Steuereinnahmen herrscht im deutschen Alltag vielerorts Not. Wohnungsmangel, hohe Mieten, niedrige Renten, Altersarmut, schlechte Infrastruktur, marode Straßen, Brücken und Schulen, überfüllte Kindergärten.

Jahr für Jahr wiederholen sich die Nachrichten über die Mangelware Wohnungen. 420.000 Menschen haben trotz Arbeit keine Wohnung. Sie fühlen sich alleingelassen.

Mittlerweile sind die Kosten für das bloße Wohnen für viele zu einem existenziellem Problem geworden. Vier von fünf Mietern haben Angst davor, dass sie die Miete nicht mehr bezahlen können und dass sie ihre Wohnung verlieren.

„Verantwortlich für die schlechte Wohnraumversorgung ist die Politik. Sie hat die Entwicklung falsch eingeschätzt und in den vergangenen Jahrzehnten bewusst auf den sozialen Wohnungsbau verzichtet“, bemängelt Rolf Eurich. Zudem wurden Sozialwohnungen im großen Stil zum Schleuderpreis verkauft.

„Probleme werden weiter zunehmen“

Die Folgen seien verheerend: „Allen Prognosen zufolge werden die Probleme in den nächsten Jahren vor allem in den Großstädten weiter zunehmen“, befürchtet Eurich.

Mit den Tausenden von Flüchtlingen werde sich der Kampf um die ohnehin knappen Sozialwohnungen weiter verschärfen. „Geringverdiener sind die großen Verlierer der aktuellen Entwicklung. Der Staat muss seiner Verantwortung endlich gerecht werden und die Wohnungsknappheit bekämpfen“, fordert der Möhringer Immobilienmakler.

Wenn der Bedarf an Wohnraum langfristig gedeckt sein soll, müsse die Politik das Bauen billiger machen und endlich Maßnahmen zur Senkung der Baukosten umsetzen. Aktuelle Vorschriften gehörten auf den Prüfstand und die Genehmigungsverfahren verkürzt, so Eurich weiter.

Kaum irgendwo auf der Welt müssten sich Bauherren mit so vielen Vorschriften und derart komplizierten Genehmigungsverfahren und hohen Kosten herumschlagen wie in Deutschland. Damit nicht genug, auch aus der EU hagelt es Vorschriften und Regeln, z.B. legen Verordnungen aus Brüssel fest, wie viele Parkplätze ein Haus benötigt, wer einen Immobilien-Kredit bekommt und dass energieeffizient gebaut werden muss.

Für 2021 will Brüssel das Null-Energie-Haus vorschreiben. All das führt dazu, dass die Kosten für den Wohnungsbau explodieren. Immer neue Vorgaben zum Klimaschutz haben das Wohnen seit der Jahrtausendwende um rund 40 Prozent verteuert. Steuern und Abgaben haben zudem dazu geführt, dass die Energiekosten in den letzten zehn Jahren stark gestiegen sind. Niemand zahle in Europa so viel für den Strom wie die Deutschen. „Den Ernst der Lage haben die Politiker nicht erkannt. Mit Enteignungsfantasien, Verschärfung einer offensichtlich gescheiterten Mietpreisbremse, Verteilung der Maklerprovision versuchen sie, von ihrem Versagen abzulenken. Ihr übertriebener Hang zur Regulierung und ihre Entscheidungen waren es, die das Wohnen stark verteuert haben“, analysiert Eurich.

Das Gebot der Stunde heiße nun, runter mit der Steuer, neue Sonderabschreibungsmöglichkeiten und eine bessere staatliche Förderung. Selbst genutztes Wohneigentum sei ein wichtiger Baustein der privaten Altersvorsorge. Daher müsse das Schaffen von ausreichendem und bezahlbarem Wohnraum zum zentralen Anliegen der Politik werden. „Statt gewisse Steuern abzuschaffen, will man den Bürger zusätzlich noch mit einer CO2-Abgabe belasten, was die Preise zusätzlich hochtreibt, wodurch das Wohnen und der Eigentumserwerb weiter erschwert werden.“

In keinem anderen EU-Staat sei die Eigentumsquote so niedrig wie in Deutschland. Trotz historisch niedriger Zinsen stagniere sie bei 45 Prozent. Während in Frankreich zwei von drei Franzosen in den eigenen vier Wänden wohnten, in Griechenland, Italien und Spanien sogar drei von vier, sei es in Deutschland nicht einmal jeder Zweite, so Eurich.

„Meine Forderung an die Politiker: runter mit der Steuerlast. Wer dem Bürger bezahlbares Wohnen verspricht, gleichzeitig  aber das Eigentum durch steigende Abgabenlast immer teurer macht, handelt unglaubwürdig. Politiker müssen endlich aufhören, Phrasen zu dreschen, und stattdessen, ihrem Amtseid entsprechend, ihre Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden und ihre Pflichten gewissenhaft erfüllen.“

Es bleibe abzuwarten, wie lang die Bürger das noch ertragen werden und wann die Wähler feststellen, dass sie einer großen Mogelpackung vertraut haben.